Faszien Training bei Bandscheibenvorfall

Macht Faszien Training bei Bandscheibenvorfall Sinn?

Macht Faszien Training bei Bandscheibenvorfall Sinn?

 

Immer wieder hört man die positiven Effekte von Faszien Training mit der Faszienrolle. Aber ist es auch positiv in Bezug auf Probleme mit den Bandscheiben? Welche Funktion haben Faszien wirklich im Körper und welche Auswirkungen haben sie auf die Bandscheiben? Wer mit den Bandscheiben zu tun hat, hat sich diese Fragen bestimmt auch schon öfter gestellt. Im Folgenden werden die aktuellen Erkenntnisse zum Thema Faszien und Bandscheiben unter die Lupe genommen.

 

Was ist das Geheimnis der Faszien?

 

Faszien sind ein Bindegewebe aus Kollagen- und Elastin Fasern und umhüllen den Muskel. So ist es benachbarten Muskeln möglich bei Bewegungen aneinander entlangzugleiten. Faszien geben im Körper aber auch Stabilität. So die Erkenntnisse, die sich bereits rumgesprochen haben. Jedoch gibt es weitere Forschungen zu dem Thema. Eine neue Studie der Frankfurter Sportwissenschaftler Dr. Jan Wilke und Prof. Winfried Banzer, zeigt, dass Faszien den Körper von Kopf bis Fuß durchziehen und so alle Organe miteinander vernetzen[1]. Sie sprechen von Muskel-Faszien-Ketten, die einen Schmerz irgendwo im Körper spüren lassen, unabhängig vom Schmerzursprung. Im positiven Sinne konnten Sie aber auch feststellen, dass die Effekte von Dehnübungen oder Krafttraining auf andere Bereiche im Organismus wirken, als nur auf den aktiv gedehnten oder gekräftigten Körperteil. Faszien sind also nicht nur ein nebensächliches Gewebe, dass die Muskeln einhüllt, sondern sie nehmen nun eine besondere Stellung ein. Vor allem in Bezug auf Nervenbahnen und Schmerzen rücken sie in den Fokus.

 

Faszien beeinflussen den unteren Rücken

 

Es werden 2 verschiedene Faszienarten unterschieden:

  • Das lockere Bindegewebe, dass ein im Körper verzweigtes, kollagenes Netzwerk bildet.
  • Das dichte Bindegewebe sind parallel oder mehrschichtig verlaufende, elastische Kollagenfasern.

Beiden Faszienarten ist gemeinsam, dass sie viele Nerven, Schmerz- und Bewegungssensoren besitzen. Faszien werden so zu einem zentralen Organ der Körperwahrnehmung. Sie haben viele Einflüsse auf das Immunsystem und die Psyche.

 

Die größte Faszie des menschlichen Körpers ist die Fascia thoracolumbalis. Sie wird auch als die große Rückenfaszie bezeichnet. Sie befindet sich im unteren Rücken und umgibt die unteren Rückenmuskeln wie ein großes bewegliches Schild. Die große Rückenfaszie verbindet den oberen und unteren Körper. Sie ist für die Kraftübertragung zwischen Becken und Rumpf sowie zwischen Armen und Beinen verantwortlich. Mit dieser zentralen Funktion bekommt sie eine ganz große Bedeutung für die Körpermitte.

 

Wie kommt es zu Schmerzen durch Faszien?

 

Faszien besitzen sehr viele Nervenfasern und Schmerzsensoren. Die große Rückenfaszie ist durch ihre Größe auch mit vielen der Schmerzsensoren ausgestattet. Gerade in diesem Bereich kommt es zur vermehrten Schmerzwahrnehmung. Generell werden die Schmerzen durch Funktionsstörungen in der großen Rückenfaszie ausgelöst. Folgende Funktionsstörungen werden durch Nici Mende, TÜV-zert. Personal Trainerin, beschrieben [2]:

  • Fehlende Bewegung, körperliche Traumata, einseitige Belastungen sowie Fehl- und Schonhaltungen stauchen die Faszie. Die Weiterleitung der Kräfte des Bindegewebes verändert sich.
  • Die Erneuerung der kollagenen Strukturen, der wasserspeichernden Proteine und des Zellwassers ist unterbrochen. Somit ist der Stoffaustausch nur eingeschränkt möglich.
  • Die Faszie verliert an Elastizität. Ihre Gleitfunktion wird eingeschränkt. Die Faszie wird steif. Das wiederum wirkt negativ auf die freien Nervenendigungen und die Zugverteilung in die angeschlossenen Körperregionen der Faszie.

Eine wichtige Funktion der Faszie ist die Beweglichkeit der Muskeln gegeneinander bei Bewegung. Ist diese Bewegung eingeschränkt, kommt es häufig zu Rückenschmerzen. Denn durch die Einschränkung kommt es zur Reizkonzentration an der unbeweglichen Stelle der Faszie. Das beschreibt die Forscherin Helene Langevin,  Direktorin des Osher Centers for Integrative Medicine, in einer ihrer Studie zum Thema Faszien [3]. Sie hatte festgestellt, dass die gegenseitliche Verschiebbarkeit der Faszien bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen deutlich geringer ist, als bei Patienten ohne Schmerzen. Daraus entwickelte sich eine weitere Hypothese: Könnte es den Schmerzen entgegenwirken, wenn die Faszien beweglicher wären?

 

Die Bedeutung der Beweglichkeit von Faszien

 

Die Faszien spielen für die Beweglichkeit der Muskeln eine entscheidende Rolle. Sie bilden ein Netz, dass die Muskeln und Organe umschließt. Verkleben die Faszien, ist der Muskel nicht mehr elastisch und verhärtet. Das musst du dir wie einen verfilzten Wollpullover vorstellen. Darunter kannst du dich auch nicht mehr richtig bewegen. Der Muskel arbeitet somit nicht mehr optimal. Es kommt zu Dysbalancen. Die Faszien an sich können jedoch auch ihre Beweglichkeit verlieren. Die deutsche Forscherin Annika Griefahn kam in einer Studie zu dem Schluss, dass Übungen auf der Faszienrolle die Beweglichkeit der Lendenfaszie vergrößern[4]. Die Lendenfaszie ist eine großflächige Bindegewebsstruktur im menschlichen Körper, die zu Schmerzen im unteren Rücken führen kann. Fehlhaltungen sind dann oft noch eine zusätzliche Folge, die ihrerseits weitere Beschwerden auslösen können.

 

Faszien und Bandscheiben

 

Doch wie beeinflussen die Faszien nun die Funktion der Bandscheiben? Wie unter dem Punkt Faszienstörungen beschrieben, kann es zu Zugveränderungen innerhalb der Faszien kommen. Diese Verschiebung des Zuggleichgewichts wirkt sich auf die Wirbelsäule aus. Damit wirken nicht nur die Dysbalance der Muskeln mit veränderten Kräften auf die Wirbel und Bandscheiben. Auch das Bindegewebe, also die Faszien, welche die Muskeln umschließen. Wird an deiner Wirbelsäule ständig ungünstig gezogen, können sich die Bandscheiben nicht regenerieren. Es wird sogar vermutet, dass die meisten Schmerzen durch die Funktionsstörung der Faszien selbst ausgelöst werden. Durch die hohe Konzentration an Schmerzsensoren, werden minimale Veränderungen oder auch Risse im Gewebe direkt als Schmerzsignal ans Gehirn weitergeleitet.

 

Faszien Training bringt einen doppelten Effekt

 

Wie die Studien gezeigt haben, ergeben sich durch das Faszien Training viele Effekte für den Körper. Zum einen hilft es mit einer Faszienrolle und entsprechenden Übungen (An dieser Stelle danke an Gorilla Sports für die Zusammenarbeit), den Verhärtungen der Muskeln entgegenzuwirken und damit Verspannungen abzubauen. Es macht den Muskel sowie das Bindegewebe wieder elastisch und gibt den eingeschränkten Bereichen ihre funktionelle Wirkung zurück. Dabei wirkt das Faszien Training über altbekannte Methoden hinaus. Eine klassische Rückentherapie, die lediglich der Muskelstärkung dient, spricht meist nicht die Faszien an. Das FaszienTraining wirkt jedoch auch auf die hochsensiblen Faszien. Da die große Rückenfaszie direkt unter der Haut liegt, wird sie durch das Faszienrollen sehr gut angesprochen. Alternative Methoden wären aufgrund der Lage der großen Rückenfaszie zudem auch das Schröpfen und Massage.

 

So baust du das Faszien Training in deine Workouts ein

 

Wie die beschriebenen Studien gezeigt haben, lohnt es sich das Faszien Training mit der Faszienrolle in deinen Trainingsalltag einzuplanen. Verklebte Faszien müssen gelöst und geschmeidig gemacht werden. Dafür benötigt es Zeit und Geduld. Ein Faszien Training führt nicht innerhalb von Minuten zum Erfolg, auch wenn du dich nach jeder Einheit besser fühlst. Gib dir und deinem Körper Zeit, sich wieder neu aufzubauen und zu regenerieren. Die Verhärtungen rund um die betroffenen Zonen benötigen Tage und Wochen, bis sie auf das Training reagieren. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass ein Faszien Training meist nach circa sechs Wochen spürbare Erfolge bringt. Nach etwa drei Monaten ist der Großteil der Patienten sogar schmerzfrei. Allerdings bedeutet das nicht, dass man danach mit dem Training aufhören sollte. Ein kontinuierliches Faszien Training auch über die Zeit hinaus ist wichtig, damit die Beschwerden langfristig behoben werden.

 

Die Verwendung der Faszienrolle

 

Die Faszienrolle ist eine Schaumstoffrolle, die extra für das Bindegewebe konzipiert wurde. Setze die Rolle so ein, dass du einen Druck auf die betroffene Region deines Körpers ausübst. Am Anfang kann dies zu erhöhten Schmerzen führen, die mit der Zeit jedoch weniger werden. Dafür gibt es mittlerweile viele Übungen, die man im Internet nachlesen kann. Am besten eignet sich aber ein Therapeut, der dir exakt zeigt, wie die Faszienrolle genau angewendet wird. Sobald sich die Faszien durch die Übungen und das Training an die Stimulation gewöhnt haben, spürst du Verbesserungen. Die Verspannungen werden gelockert, das Wohlbefinden steigt.

 

Fazit

 

Die Beweglichkeit des eigenen Körpers gehört zu dem wichtigsten Gut des Menschen. Das Faszien Training mithilfe einer Faszienrolle lindert die Beschwerden eines Bandscheibenvorfalls und wirkt sich auch nachhaltig positiv auf die gesamte behandeltet Muskulatur und die damit verbundenen Faszien aus. Dabei lassen sich einige Faszien Übungen hervorragend mit anderen Trainingsformen kombinieren, wie Yoga, Pilates und Tai Chi. Bei besonders schweren Fällen eines Bandscheibenvorfalls solltest du jedoch einen Arzt konsultieren, um seine Zustimmung für das Faszien Training zu erhalten. Nimm Dir die Zeit und widme dich der kleinen, täglichen Einheit Bewegung, damit du mit der Faszienrolle deine Verspannungen lösen kannst und deinen Bewegungsapparat wieder fit machst. Befreie dich von Kopf bis Fuß von unangenehmen Schmerzen und mache die Faszien in deinem Körper wieder beweglich!

 

[1] https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/sportmedizin-faszien-vernetzt-von-kopf-bis-fuss/

[2] http://www.trainer-magazine.com/gestatten-fascia-thoracolumbalis/

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21929806

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Griefahn+fascia